Initiative Messer sind Werkzeuge | Warum faszinieren Messer?

Warum faszinieren Messer?



Wer sich für Messer interessiert, wird in unserer Gesellschaft heutzutage, häufig abwertend, als ein zu Gewaltfantasien neigender Spinner abgetan. Zu diesem Bild tragen in hohem Maße die Medien bei, handelt es sich doch in Film und Fernsehen bei Messern meist um Mordwerkzeuge oder ähnlich Verwerfliches.
Aber, wie sieht es in der Realität aus? Weshalb beschäftigen sich manche Menschen intensiv als Hobby mit diesem Thema? Eine allgemein gültige Antwort wird es nicht geben, ich kann Ihnen aber Aspekte benennen, die aufzeigen, woher dieses Interesse kommen kann.

Messer begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden. Sie sind eines der wohl wichtigsten Werkzeuge in der Menschheitsgeschichte. Sie sind in allen Kulturen der Menschheit vertreten und haben meist, neben reinen Werkzeug- und Waffenfunktionen, selbst eine kulturelle, oft sogar eine mystische Bedeutung.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das Messer als Werkzeug ständig weiter entwickelt. Dies betrifft die Materialkunde, die Fertigungstechnik, das funktionale Design und auch die Mode. Es gibt eine unglaubliche Anzahl an Messern für Fachanwendungen - von nur wenigen Werkzeugen wurden derart viele Abarten entwickelt.
Daneben wurde das Messer auch als Waffe über Jahrtausende in unterschiedlichsten Ausgestaltungsformen hergestellt. Es besaß aber eigentlich zu keinem Zeitpunkt eine wirkliche Bedeutung in der Waffentechnik und spielte, neben der eigentlichen Bewaffnung, zumeist nur eine Rolle als Beiwaffe, als kunstvolle Zierwaffe oder aber als Waffe derer, die nicht dem Kriegshandwerk nachgingen und sich keine anderen Waffen leisten konnten.
Herausragend und erwähnenswert wäre noch die Doppelfunktion als Werkzeug und Waffe, die das Messer in der Menschheitskultur spielt. Keine andere Waffe und kein anderes Werkzeug kann kulturübergreifend eine solche Doppelrolle aufweisen.

Messer unterlagen in der Geschichte verschiedensten Traditionen und Verhaltenskodexen. Diese sind bis heute tief in unserer Kultur verankert, obwohl nur Wenige wissen, warum wir meist mit typischem Besteck essen.

Neben dieser kulturhistorischen Bedeutung sind die Fertigung von Messern, als auch der simpel erscheinende Schneidevorgang physikalisch hoch komplexe Themengebiete.
Warum ein Messer stumpf ist, während ein nur minimal an der Schneide Verändertes, durch widerstandsfähiges Material schneidet, ohne dabei Späne oder andere Ausbrüche zu erzeugen, ist, wenn man es genauer wissen möchte, definitiv nicht nebenbei zu erklären.
Die Herstellung von Messern umfasst Wissen und Fertigkeiten in allgemeiner Stahlkunde, Schmieden, Holzbearbeitung, Fachkenntnisse über den Klingenaufbau, Konstruktion, sowie eine künstlerische Begabung um ein ansprechendes Design verwirklichen zu können.

Der Markt für Messer umfasst eine unglaubliche Anzahl von Firmen, Händlern und Messermachern. Es gibt, wie in vielen Bereichen unseres Lebens, Trends und Moden. In vielen Ländern gibt es selbstständige Messermacher die auf höchstem Niveau tätig sind, daneben unzählige Hobby-Messermacher. Der technische Fortschritt bringt ständig neue Stähle, Oberflächenvergütungen, Griffmaterialien, Klappmessermechanismen und vieles mehr auf den Markt.

Sie sehen also, eine eingehendere Betrachtung des Phänomens Messer, enthält Bildungsgebiete wie
- Geschichtliche Entwicklung
- Unterschiedliche Kulturen und Sitten
- Physikalische Fragestellungen
- Handwerkliches Wissen und Techniken
- Kunsthandwerkliche Fähigkeiten
- Mode, Trends, Traditions- und neue Firmen

Jedes der genannten Bereiche hat das Potential, zu umfassenden, lebenslangen Studien. Wer einmal anfängt, sich intensiver mit Messern zu beschäftigen, erschließt sich unglaubliche Wissenswelten in vielen verschieden Bereichen.

Ist es angesichts dessen so erstaunlich, dass sich Menschen für Messer begeistern können? Ich denke, Nein.

 

El Dirko aus dem Messerforum