Initiative Messer sind Werkzeuge | Warum - warum nicht?

Warum - warum nicht?

 

Ich trage - neben diversen anderen Krempel, den "man so braucht" immer ein Taschenmesser mit mir.

Warum? Warum nicht?

Es ist ja nicht so, dass es etwas besonderes wäre, wenn Leute Werkzeuge, konkret auch Messer, mit sich tragen. Die krachlederne Trachtenhose hat dafür eine extra Tasche - seit Jahrhunderten -in der üblicherweise ein Jagdnicker getragen wurde und wird. Und das natürlich nicht nur zur Jagd, sondern aus Tradition. Vergleichbare Traditionen gibt es in vielen Ländern und Bevölkerungsschichten, nämlich überall dort, wo Messer zur täglichen Arbeit gebraucht werden.

Offenbar haben unsere Vorfahren messertragende Mitmenschen überlebt. Und offenbar ist in unserer eher dienstleistungs- und städtisch orientierten Gesellschaft einiges von dieser Tradition verloren gegangen.

Warum also ein Messer?

1. Es ist praktisch. Wenn ich Verpackungen öffnen, Schnüre und Riemen durchschneiden möchte, verwende ich lieber ein Messer, als dass ich mit den Zähnen am Plastik zerre. Mein Essen scheide ich lieber, als dass ich mit zwei Händen esse. Und wenn ich handwerkliche Tätigkeiten ausübe, möchte ich nicht erst nach dem stumpfen Billigmesser im Werkzeugkoffer suchen, sondern nehme das Messer, das ich eingesteckt habe.

Die Menschen haben in allen Teilen der Welt über die letzten Jahrtausende viel Arbeit und Köpfchen eingesetzt, um Stahl, und damit auch Messer, zu dem nützlichen Werkzeug zu machen, das wir heute haben. Warum soll ich mir das Leben schwer machen?.

2. Es macht Spaß, ein gutes Messer zu tragen und zu verwenden. Natürlich kann man die allermeisten Arbeiten auch mit einem kleinen Schweizer Taschenmesser erledigen. Man kann auch mit einem Kugelschreiber vom Supermarkt schreiben, und nicht nur mit einem Parker. Eine billige Quarzuhr aus dem Supermarkt zeigt die Zeit genauer, als eine Rolex oder IWC. Um von A nach B zu kommen, braucht es keine 170PS, 40 wären mehr als genug. Wer braucht 30 Fernsehprogramme, eine Klimaanlage, ein Mobiltelefon - es ging auch schon mal ohne. "Brauchen". Was für ein Wort. Von "brauchen" ist unsere Gesellschaft mindestens 60 Jahre entfernt. Wer entscheidet, was wir brauchen?. Vor allem dann, wenn es niemand anderem schadet. Ein gutes Messer schneidet länger, besser, fasst sich besser an und vermittelt ein Gefühl der Wertigkeit, welches ich bei einem Schweizer Messer oder einem Multitool vermisse.

3. Männer - zugegebenermassen es gibt im messerforum auch Frauen, aber die sind noch deutlich in der Minderheit - wollen offenbar irgendetwas zum Spielen. Messer sind ein ideales Objekt, um diesen Spieltrieb zu erfüllen. Als Messermacher, egal ob Hobby oder professionell, arbeitet man mit den unterschiedlichsten Materialien und Werkzeugen. Als Sammler kann man sich mit der Geschichte, den Materialien, dem Handwerk beschäftigen. Als Anwender kann man beliebig lange nach dem idealen Messer suchen. Und hat man kein Motiv, dann sucht man sich eines. Das ist bei denen, die sich für Messer interessieren, nichts originäres. Im Gegensatz zum Sammeln von Bierdeckeln, Briefmarken, Fahrzeugmodellen und einer H0 Modellbahnpalette haben Messer als Sammlerobjekt noch den Charme, dass man sie auch praktisch verwenden kann.

4. Das Handwerk. Mich interessiert an dem Thema auch das alte Handwerk des Schmiedes und Messermachers, sowie die Materialkunde rund um das Thema Stahl. Gerade in den letzten Jahren stieg die Zahl der Messermacher - im professionellen, wie im Hobby Umfeld - schnell und weiterhin konstant an. Vieles an Wissen und Handwerk, was - zumindest in der Breite - verloren war, kommt wieder zum Vorschein. Es wird über Stahl und die richtige Wärmebehandlung diskutiert, unterschiedlichste Materialien probiert, mechanische Lösungen entwickelt und gefertigt. Die Beschäftigung mit einem alten Handwerk und mit der zeitgemäßen Umsetzung kann faszinieren. Selbst dann, wenn man, wie ich und wohl die meisten im Messerforum, selbst keine Messer baut.

5. Die Gemeinschaft. Und  Fachgespräche. Gehört dazu. Messen, Schmiedeveranstaltungen, Messermachertreffen, Treffen von Forenmitgliedern. Zwischenzeitlich gibt es unzählige Veranstaltungen bei denen sich die an Messern Interessierten austauschen können. Wer glaubt, dort ein irgendwie spezielles Publikum vorzufinden, täuscht sich. Bunter geht´s nimmer. Netter auch nicht.

Die IMSW möchte vermitteln, was uns an dem Thema interessiert, und natürlich auch, warum wir ein Messer tragen. Die Art der Diskussion, die über die Jahre nach jeder Gewalttat auftaucht, in der ein Messer eine Rolle spielt, ist, freundlich formuliert, irreführend und eine Scheindiskussion. Das gilt für die Forderungen von Politikern nach einem Verbot vom Tragen von Messern in der Öffentlichkeit, wie für die Darstellung der Medien, die Einzelfälle zu einer generellen Gefährdung hochstilisieren und das Thema "Messer" in eine, mangels Fakten, diffus anrüchige Ecke stellen.

Da finde ich mich nicht wieder. Wohl auch nicht die meisten der über 9000 Mitglieder des Messerforums.

Peter Fronteddu
Betreiber messerforum.net
Fotograf, Autor, Messersammler