Initiative Messer sind Werkzeuge | Sicht eines Österreichers

Sicht eines Österreichers

 

Ich lebe in einem furchtbar gefährlichen Land. Einem Land, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist, wo schwer bewaffnete Banden die Gegen unsicher machen, wo man jede Minute um sein Leben bangen muss. Ich bin Österreicher.

Sie sind verwundert? Das war ich auch, als ich das erfuhr, und doch muss es wahr sein, denn es ergibt sich aus den Forderungen des Berliner Innensenator zweifelsfrei: Österreich ist ein unsicheres Pflaster! Falls sie noch immer zweifeln, so will ich Ihnen das gern erklären. In Österreich sind kaum Messer verboten. Viele der in Deutschland als verbotene Waffen eingestuften Messer sind hierzulande völlig legal. Balisong oder Butterflymesser, Fallmesser und Springmesser, der österreichische Gesetzgeber schränkt seine Bürger hier nicht ein. Trotzdem ist die Kriminalität signifikant niedriger, als in den deutschen Großstädten. Folgt man den Ausführungen des Innensenators, so wäre das unmöglich, denn in seiner Diktion sind Messerverbote geeignet die Kriminalität einzuschränken.
Wo also liegt der Widerspruch?

Es gibt keinen Widerspruch, es gibt einzig und allein ein bewusstes rhetorisches Ablenkungsmanöver. Der Versuch, Kriminalität auf die Verfügbarkeit als Waffen geeigneter Gegenstände zu beschränken ist zwar medial effektiv, kriminalitätstheoretisch aber völliger Unsinn. Soziologen wie Howard Becker, Anthony Giddens oder Hans Georg Zilian haben sich oft und intensiv mit der Frage der Devianz und deren Ursachen beschäftigt, und eine Reihe möglicher Ursachen festgestellt. Sei es Sozialisation im Sozialraum, sei es das Fehlen subsistenzsichernder Ressourcen oder der Gruppenzwang im Freundeskreis, die möglichen Gründe für abweichendes Verhalten sind vielfältig. Das einfache Vorhandensein einiger Gegenstände jedoch gehört nicht dazu.

Haben Sie Kinder?
Dann stellen Sie sich folgende Frage:
Angenommen, sie würden ihrem Kind ein Messer schenken, damit es Verpackungen öffnen, Äpfel schälen oder Stifte anspitzen kann, wie wir Messerträger das nun mal so tun. Würde ihr Kind das Messer als Waffe ansehen? Natürlich nicht, denn um ein Werkzeug als Waffe aufzufassen müsste das Kind entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Erfahrungen, die das Kind dazu bewegen, sich bewaffnen zu wollen. Wenn es soweit ist, dass ein Kind den Eindruck hat eine Waffe zu BRAUCHEN, dann ist die Frage welche Waffe es nimmt nebensächlich. Ziel der Prävention von Gewalttaten muss es daher sein, da anzusetzen, wo Waffen noch keine Rolle spielen, in der frühen Entwicklung der Kinder. Ein Kind, das behütet aufwächst, wie wir es unseren Kindern wünschen, das wird den Wunsch nach Bewaffnung nicht verspüren, und Messer als das auffassen, als was die Mitglieder dieser Initiative sie sehen. Als Werkzeuge.
Präventive Sozialarbeit, Familienentlastung und das Schaffen von Arbeitsplätzen ist aber teuer, und dauert lang. Viel einfacher ist es doch, mal schnell was zu verbieten, als den Betroffenen zu helfen. Zwar schränken wir die Mittel zur Finanzierung der Polizei ein, aber wir schaffen Gesetze die dann niemand ernsthaft kontrollieren kann. Anstatt an der Bekämpfung der Gründe zu arbeiten bekämpfen wir Scheinsymptome. Das, und nur das, ist unter der neuen Gesetzesvorlage in Deutschland zu verstehen.

Zurück ins gefährliche Österreich. Hier sind wie erwähnt Messertypen legal, die in Deutschland als Waffe gelten. Und trotzdem passiert nicht mehr, die marodierenden Messerstecherbanden bleiben aus. Seltsam, oder? Nicht wirklich, wenn man die Zeitungen aufmerksam liest. Jene Delikte, in denen Messer als Waffe verwendet werden passieren meist in der Familie, und die Waffe sind Küchenmesser. Die zu verbieten dürfte wohl Keinem einfallen. Warum passiert also in Österreich weniger als in Deutschland? Das müsste man genau empirisch untersuchen, um klare Aussagen treffen zu können, die Annahme, dass die hohe Arbeitslosigkeit und die unkontrollierte Ghettoisierung ganzer Stadtteile in deutschen Großstädten als Ursachen näher liegen als das ohnehin schon strenge Waffengesetz scheint aber plausibel. Liebe Politiker: Schaffen sie Arbeit und beugen Sie der Ghettobildung vor, und ich verspreche Ihnen dass die Strassen sicherer werden. Ohne Verbote, dafür mit zufriedeneren Bürgern.

Mag. (FH) Christian Brickmann