Initiative Messer sind Werkzeuge | Mit dem Rucksack in Schweden

Mit dem Rucksack in Schweden

 

Im Juli 2007 führte ich gemeinsam mit vier Kollegen eine 200 km lange Rucksacktour durch das mittelschwedische Fjäll (Gebirge) entlang des südlichen Kungsleden (Königsweges) durch. Ich kann an dieser Stelle bereits vorweg nehmen, dass diese Reise ein atemberaubendes Naturerlebnis war, das mir nicht nur zeigte, wie wohltuend die Stille und Einsamkeit der Wildnis im Vergleich zum stressigen Stadtleben sein kann. Die Wanderung brachte mich durch duzende steiler Anstiege und Flussdurchquerungen, Dauerregen, Wind und Kälte sowie Schwärmen an blutsaugenden Insekten auch an die mir bisher nicht bekannte Grenze meiner körperlichen Strapazierfähigkeit . Doch so oft mich meine brennen Oberschenkel, die unzähligen Insektenstiche oder meine blasenübersäten Füße auch Glauben machen wollten, die Grenzlinie nun endgültig erreicht zu haben, verschob sich die fiktive Grenze in meinem Kopf wieder um einige Meter nach vorne und brachte mich so zum Weitergehen, wobei in mir völlig ungeahnte Kräfte freigesetzt wurden.

Lange Rede kurzer Sinn: Im Folgenden soll weniger die Reise selbst, als ein unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand angesprochen werden, der mir die Bewältigung dieses sehr strapaziösen Gewaltmarsches unglaublich erleichterte und mir während der zwei Wochen in der Wildnis oft eine große Hilfe war.

Bevor es mit dem Abenteuer endlich los gehen konnte, bedurfte es zunächst einer langen Planungs- und Vorbereitungsphase. Dabei wurde schnell klar, dass der Proviant für die zweiwöchige Wanderung durch die Wildnis den meisten Platz im Rucksack in Anspruch nehmen und zudem das meiste Gewicht verursachen würde. Nach dem ersten Packversuch war das für eine derartige Wanderung gerade noch erträgliche Rucksack-Maximalgewicht von 20 kg schnell erreicht und so mussten Prioritäten gesetzt werden.

Aufgrund der spärlichen Versorgungsmöglichkeiten entlang der entlegenen Wegstrecke stand fest, dass es unerlässlich sein würde, eine gewisse Menge an Nahrungsmitteln incl. Notvorrat immer dabei zu haben. Nach wiederholtem Wiegen und erneutem Aus- und wieder Einpacken des gesamten Gepäcks war bald klar, dass die einzige noch verbleibende Einsparmöglichkeit an Gewicht im sonstigen Equipment wie Kochgeschirr und Werkzeug liegen würde.

Ein Arbeitskollege (Erich Niemeier, www.Messer-Niemeier.de), welcher von meiner Reiseplanung und dem damit im Zusammenhang stehenden Gewichtsproblem des Gepäcks erfahren hatte, bot mir an, ein universell einsetzbares Werkzeug zu fertigen, welches kein zusätzlicher Ballast im Rucksack, sondern ganz einfach am Gürtel zu tragen sein würde. Ich willigte ein und erhielt zwei Wochen später ein selbst gefertigtes Messer mit zugehöriger Lederscheide.

Sofort war ich von der angenehmen Lage in der Hand und der höllisch scharfen Klinge begeistert. Diese Begeisterung sollte nicht nur von kurzer Dauer sein, denn das Messer stellte sich als wichtiger Begleiter während der gesamten Wanderung heraus. Egal ob nun die Spannschnüre der Zelte oder Angelschnüre zugeschnitten, Fische ausgenommen, Konservendosen geöffnet wurden, ein Astgerüst für den Topf über dem Lagerfeuer geschnitzt, Speisen zubereitet oder einfach nur damit gegessen wurde, das Messer war in der Scheide am Gürtel stets griffbereit und allseitig einsetzbar. Die platzraubende und Gewicht verursachende Mitnahme weiterer Ausrüstungsgegenstände, die zudem schwer erreichbar im Rucksack hätten verstaut werden müssen, war somit nicht nötig.

Gerade diese universelle Einsetzbarkeit und die damit verbundene Einsparung weiterer Ausrüstungsgegenstände sowie die schnelle Einsatzbereitschaft durch das einfache Tragen am Gürtel, machten das Messer für mich zu einem unerlässlichen und absolut notwendigen Begleiter auf der Tour durch die Wildnis. Auch sollten auf einer derartigen Tour nie die Gefahren wilder Tiere unterschätzt werden, wobei bei einem Angriff ein Messer, welches schnell zur Hand ist, oft die letzte Möglichkeit zur erfolgreichen Verteidigung sein kann.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich somit sagen, dass es nicht zweckmäßig und zielführend sein kann, einen für oben beschriebene Zwecke absolut notwendigen Gebrauchsgegenstand pauschal als „Waffe“ einzustufen und zu verbieten. Vielmehr sollte hier eine sinnvolle Unterscheidung getroffen werden, welche auch den unzähligen Menschen, für die ein Messer ein unerlässliches Werkzeug bei der Bewältigung vielerlei Aufgaben in Beruf und Freizeit ist, Rechnung getragen werden.

M. Heinzlmeier