Initiative Messer sind Werkzeuge | Betrachtung eines Landwirts

Betrachtung eines Landwirts

 

Seit 14 Jahren bin ich nun Landwirtschaftsmeister und bewirtschafte unseren Betrieb in der X-ten Generation.
Von Kind auf an gehören Messer zu meinem täglichen Alltag bei der Arbeit auf dem Hof. Messer sind für mich Werkzeuge wie die Forke, der Hammer oder der Schraubenschlüssel.
Bis vor 25 Jahren haben wir die Runkelrüben noch mit der Hand geerntet, indem sie mit einer Hand aus dem Boden gezogen und mit der anderen Hand mit einer Machete das Blatt vom Rübenkörper abgetrennt wurden.
Ohne ein Messer in der Hosentasche ist ein Arbeitstag bei mir undenkbar.
· Jährlich werden einige Tausend Strohballen, die mit Sisalgarn eingebunden sind zur Einstreu der Rinder aufgeschnitten.
· Undichte Schläuche in der Melkanlage müssen abgeschnitten und ausgetauscht werden.
· Saatgetreide wird in 50kg Papiersäcken geliefert. Diese werden nach dem Aufschneiden in die Sämaschine entleert.
· Silofolie muss auf die entsprechende Länge gekürzt werden.

Dieses sind nur einige Beispiele für die Vielzahl an Anwendungen, die ich täglich mit dem Messer vornehme.

Bis vor ca. 10 Jahre nutzte ich einfache Taschenmesser mit Nagelkerbe und Rückenfeder, welche man nur beidhändig öffnen kann und die wegen Qualitätsmängeln, Dreck und Rost auch schon mal so schwergängig wurden, dass der Daumennagel dran glauben musste.
Eine feststellbare Klinge besaßen diese Messer nicht und sie waren wegen des minderwertigen Klingenstahls chronisch stumpf. Besonders im Winter, wenn die Bänder an den großen Quaderstrohballen fest gefroren waren, habe ich mir einige Male in die Fingerrücken geschnitten, weil bei der Prokelei die Klinge einklappte.

Dann fand ich Einhandmesser mit feststellbarer Klinge. Die Unfallgefahr einer zufällig einklappenden Klinge ist damit gebannt und die Handhabung und somit der Komfortgewinn ist enorm.
Inzwischen trage ich nur noch Einhandmesser mit Clip, die ich in die rechte Hosentasche clippe.
Der Vorteil ist, dass das Taschenmesser nicht mehr in den Tiefen der Hosentasche verdrecken kann und ich es sogar mit Handschuhen einhändig ziehen und öffnen kann.
Beim Befüllen der Sämaschine (ca. 100 Säcke pro Jahr) mit den 50kg Saatgutsäcken kann ich so den Sack auf der Kante des Saatgutbehälters ablegen, mit einer Hand festhalten, mit der anderen das Messer ziehen und öffnen und den Sack aufschneiden.
Früher ist mir häufiger mal so ein Sack in die Maschine geplumpst, während ich gerade dabei war, beihändig das Klappmesser zu öffnen und es war gerade für meinen angeschlagenen Rücken eine Tortour, ihn dort wieder raus zu bugsieren.
Ein ähnliches Erlebnis muss der erste Automatikschirm ausgelöst haben, den man trotz Einkaufstaschen am Arm mit einer Hand blitzschnell bei einsetzendem Regen öffnen kann und der trotzdem beim Transport wenig Platz benötigt.

Es gibt Messer in vielen Preislagen. Fertigungsqualität - entscheidend für die Freude bei der Benutzung - und Stahlqualität -entscheidend für die erreichbare Schärfe und die Schnitthaltigkeit - haben ihren Preis.
Die Schneideigenschaften werden aber auch von anderen Faktoren bestimmt.
Hier das für die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse Passende zu finden, ist Teil der Faszination Messer.

So fand ich vor ca. zwei Jahren das Messerforum.net.
Hier lernte ich die Vorzüge hochpreisiger Klappmesser kennen und schätzen.
Es macht Spaß, diese mechanische Perfektion beim Aus- und Einklappen, in Verbindung mit einem ergonomischen Griff, um dessen Gestaltung sich wirklich jemand viele Gedanken gemacht hat und einer Klinge aus einem hochwertigen Stahl, der sehr gut schneidet und lange scharf bleibt, in Händen zu halten und damit zu arbeiten.
Zur Zeit trage und benutze ich u. a. ein handgefertigtes Klappmesser von Jürgen Schanz, das 500.-€ gekostet hat.
Jeder Handwerker wird mir bestätigen, dass gutes Werkzeug seinen Preis hat.
Es macht mir sehr viel Freude, diese mechanischen Meisterwerke zu tragen und zu benutzen.

Selbstverständlich trage ich auch in meiner knapp bemessenen Freizeit ein Einhandmesser in der Hosentasche. Es ist einfach praktisch.
Auf Familienfeiern bin ich meist derjenige, der das Messer stellt, wenn die Geschenke vom Papier befreit werden sollen.
Wenn die Kinder nach dem Stadtbummel die neu gekaufte Jacke gleich anziehen wollen, trenne ich eben kurz mit dem Messer das Etikett ab und gut ist.
Das untaugliche Plastikmesser zum Schnitzel auf dem Feuerwehrfest wird dann eben mal durchs Klappmesser ersetzt.

Nun soll durch eine Bundesratsinitiative das Tragen der meisten Messer in der Öffentlichkeit verboten werden. Der derzeitige Entwurf betrifft fast alle meine Messer, da sie entweder eine Klingenlänge von mehr als 8,5cm haben und/oder einhändig feststellbar sind.

Ich verwehre mich dagegen, durch ein, auf puren Aktionismus begründetes und wohl aus Effekthascherei entstandenes Gesetz kriminalisiert zu werden. Ich werde durch das Tragen von Messern nicht zum Gewalttäter. Gewalttäter benutzen u. a. Messer, um ihre Straftaten zu begehen. Messerstechereien sind verboten – die Messerstecher scheren sich nicht darum.
Warum sollte sie ein Messerverbot davon abhalten?

Sie können auch einfach andere Gegenstände verwenden, mit einer spitzen Schere oder einem Cuttermesser lässt sich genauso viel Schaden anrichten.
100%ige Sicherheit kann und wird es nie geben.
Durch ein solches Gesetz wird nur der Normalbürger noch mehr in seiner Freiheit beschnitten, drangsaliert und kriminalisiert und eine pseudo Sicherheit beschworen, die es so gar nicht geben kann.

Wilhelm Wölper, Kirchgellersen