Initiative Messer sind Werkzeuge | Begleiter im Alltag

Begleiter im Alltag

 

Warum ich mich für Messer interessiere:

Kennengelernt habe ich Taschenmesser durch meinen Vater. Als ich klein war, hat er mit mir kleine Pfeifchen aus Weidenstöcken oder Spazierstöcke geschnitzt.

Später bei den Pfadfindern gehörte dann ein Fahrten- oder Matrosenmesser zur Standardausrüstung – es war normal und erwünscht ein Messer bei sich zu tragen. „Allzeit bereit!“. Dies war neben „Jeden Tag eine gute Tat!“ auch der Wahlspruch bei den Pfadfindern. Durch die Pfadfinder habe ich Messer als sinnvolle Werkzeuge kennen gelernt, die einem bei vielen Arbeiten behilflich sein können. Seit der Zeit trage ich fast immer ein Taschenmesser bei mir und freue mich jedes mal, dass ich es dabei habe, wenn ich oder eine andere Person es benötigen.

Mit Steigerung meiner finanziellen Möglichkeiten, habe ich gesehen, dass es bei Taschenmessern sehr große Qualitätsunterschiede gibt und so kam der Wunsch auf, hochwertigere Messer zu besitzen. Daraus hat sich dann eine Sammelleidenschaft entwickelt. Auf der Suche nach schönen und praktischen Taschenmessern bin ich auf das Messerforum gestoßen, in dem sich Menschen mit dem gleichen Hobby austauschen können. Ich bin dann auch sehr schnell auf ein Forentreffen gegangen und habe dort sehr viele nette Menschen kennen gelernt. Ein negatives Bild von einem waffentragenden gemeingefährlichen Unhold, dass vielen Menschen leider sofort in den Kopf kommt, wenn man über sein Hobby spricht, wird man auf einem Forentreffen nicht bestätigt finden.

Gerade beim letzten Forentreffen in einer Gaststätte waren einige Gäste zuerst etwas verstört so viele Messer in ihrer Umgebung zu sehen. Mit einem Ehepaar kam ich ins Gespräch. Dieses hatte zuerst nicht verstanden, warum man Messer sammeln sollte und fand das ganze etwas befremdlich. Im Laufe der Unterhaltung stellte sich heraus, dass der Mann selber oft ein Schweizer Offiziersmesser trägt und dies ganz praktisch findet. Der Mann selber sammelte kostbare Bücher. Ich habe ihm dann erklärt, dass es bei Messern genau wie bei Büchern große Unterschiede gibt: Für den einen mag es genügen eine Standardbibel, wie sie in Hotels ausliegt zu besitzen und zu benutzen. Für eine Person die Bücher sammelt oder bibliophil veranlagt ist, wäre es jedoch schöner, wenn diese Bibel vielleicht mit Goldrand, Embossing oder kunstvollen Bildern versehen ist. Dies ist bei Taschenmessern ähnlich. Für viele mag ein Schweizer Taschenmesser oder ein Opinel genügen. Diese werden in der breiten Öffentlichkeit auch meist akzeptiert. Hochwertigere Taschenmesser hingegen werden meist – ungerechtigterweise - anders bewertet – obwohl sie, genau wie die Hotelbibel und die Goldrandbibel den gleichen Zweck erfüllen. Dies leuchtete dem Gast sofort ein und er interessierte sich sehr für die Möglichkeiten ein Messer individuell zu gestalten.

Auch meine Freundin war zu Beginn sehr skeptisch gegenüber Messern. Sie merkte jedoch sehr schnell, dass ein scharfes Messer im Haushalt und auf Reisen sehr praktisch und hilfreich sein kann.

Auch sie war schon bei einem Forentreffen und bestätigt, dass die Sammler, die sich dort treffen keineswegs gefährlich wirken. Mittlerweile hat sie ein eigenes Taschenmesser, dass von mir immer scharf gehalten werden muss.

Für uns ist ein Messer einfach ein nützlicher Gegenstand, den man bequem in der Hose tragen kann und über den man dankbar ist, wenn er einem mal wieder das Leben erleichtert hat.

Die Diskussion über ein Verbot von Messern stört mich als Sammler von Taschenmessern verständlicherweise sehr. Ich kann es verstehen, wenn man Gegenstände, die als Waffe konzipiert wurden, wie z.B. Faustdolche oder Dolche mit Schlagringen verbieten möchte. Diese Designs bieten keinen zusätzlichen handwerklich Zweck. Messer jedoch aufgrund ihres Schliffs oder ihrer Länge als gefährlich oder ungefährlich zu beurteilen, erscheint mir sehr fragwürdig zu sein. Prinzipiell bietet jeder scharfe Gegenstand von Grund auf die Gefahr sich zu schneiden. Von daher müssten scharfe Gegenstände generell verboten werden.

In einem Schuhgeschäft wollte mir die Verkäuferin etwas geben, womit ich die Werbung von meinen gerade erworbenen Schuhen entfernen konnte. Dies habe ich dankend abgelehnt, da ich schon meinen Leatherman aus der Tasche gezogen hatte. Die Verkäuferin war auch der Meinung, dass Taschenmesser echt praktisch sind (und es war kein Outdoorladen!). Als ich dann erwähnte, dass Berlin ein Gesetze einbringen möchte, dass das Tragen der meisten Taschenmesser illegal machen würde, sagte sie, dass sie von sowas überhaupt nichts hält. Sie sei davon überzeugt , dass Menschen die mit Messern schaden anrichten wollen, dies auch ungeachtet eines Verbotes machen würden. Man muss sich anscheinend nicht für Messer interessieren, um zu so einer Erkenntnis zu gelangen. Zu bedenken ist hierbei nämlich, dass Messer an sich keine Gefahr darstellen – eine Waffe benötigt immer eine Person, die gewillt ist, sie in diesem Sinne zu benutzen. Anstelle sich immer weitere Gesetze auszudenken, die unsere Leben einschränken, sollte sich unsere Gesellschaft lieber darüber Gedanken machen, wie man Zustände schaffen kann, in denen Menschen nicht das Bedürfnis haben andere Menschen zu verletzen.

Striktere Messergesetze in Großbritannien konnten einen Anstieg der Gewalttaten, in denen Messer verwendet wurden nicht verhindern. Die einzige Auswirkung, die so ein Gesetz haben wird, ist, dass friedliche Bürger (die Gott-sei-dank die breite Masse der Bevölkerung ausmachen), die ihre Messer nur als Werkzeug benutzen, diese zu Hause lassen. Diese werden eines ihrer Rechte beraubt, während sich Gewalttäter darum einen Deut scheren werden.

Joern Schroeder