Initiative Messer sind Werkzeuge | ADAC oder Messer

ADAC rufen, oder das Messer…



Ich hätte es besser wissen müssen.
Es war wieder soweit, die Messermachermesse in Solingen stand bevor. Etwa 2,25h Fahrt, einen netten Tag mit den Freunden und Kumpels aus dem Forum verbringen, und nebenbei die Messe besuchen, und abends dann wieder aufs Neue begeistert von der Messe, den Messern und Freunden nach Hause fahren.
Jo - soweit so gut, alles nötige wie Benzin, Öl, Wischwasser, Reifendruck und Bargeld abends vorher kontrolliert, dann konnte es losgehen. Ein wichtiges Teil hatte ich aber vergessen...

Mit Olli, einem Kumpel aus dem Internet hatte ich abends vorher im Internet-chat verabredet, dass ich ihn auf dem Rückweg von der Messe mitnehme und bei ihm zuhause absetze.
Es regnete in Strömen, ab dem Nordrand des Ruhrgebiets bis nach Solingen, den ganzen Tag ohne Unterbrechung. Noch störte sich mein Auto nicht am Wetter...

Aus Erfahrung der letzten Jahre wusste ich aber, dass speziell mein Auto solche Bedingungen überhaupt nicht mag, die Quittung kam dann während der Rückfahrt mit Olli:

Der Motor stotterte, hatte Zündaussetzer und lief alles andere als rund – gut dass Olli nur 30min entfernt wohnte, da konnte ich dann in Ruhe das Problem lösen. Nur wie, ohne mich vor ihm zu blamieren oder als Depp dazustehen?
Ich musste cool bleiben, das Problem lösen, das Auto quasi „feldmäßig“ wieder in Gang setzen, und später noch den Erfolg der Heimankunft ohne weitere Störungen vermelden können… - alles in wenigen Sekunden entscheiden und durchführen.
Jaja, so sind die, die ihre Kumpels beeindrucken wollen, wenn auch aus dem Stehgreif und wirklich ungewollt…

Olli hatte mir Monate zuvor ein Sondermodell eines kleinen Einhandklappmessers mit einem besonders leichten rotem Laminatgriff und schwarz beschichteter Klinge verkauft, er wollte das Teil unbedingt loswerden, hat es mir recht günstig vermacht. Ich hatte es im Zollstockfach der Beintasche eingeclippt - so, wie sich das gehört, nun kam der erste wichtige Einsatz.
Bei ihm zuhause im Regen stehend die Motorhaube auf, Verteilerkappe abgenommen – siehe da:
alles verschmaucht und oxidiert… Er stand nur da und hat gegrinst während ich die Verteilerfinger mit dem kleinen schwarzroten CRKT M14/13 FD blank gekratzt habe, und ihm den Sachverhalt mit der schnellen Korrosion beibringen musste.

Die schwarze Klinge ist da wirklich von Vorteil, weil es bei solch eher unüblichen und fummeligen Arbeiten auf Metall keine störenden Lichtreflexe gibt, man kann sich in Ruhe auf den kleinen Bereich der Arbeit konzentrieren, ich hätte auch mein Leatherman-Supertool (ein Ganzmetall Multifunktionsmesser) nehmen können, aber das wäre für die beengte Verteilerkappe einfach zu unhandlich, „zu blank“ und zu schwer gewesen.

Nach getaner Improvisation erfolgte die erste Kontrolle:
Motor an, läuft stotterfrei rund, Heimfahrt im eigenen Auto ohne Fremdhilfe sichergestellt – was will man mehr ?

Ollis Grinsen war jetzt noch breiter, war schließlich mal sein Messer. Seine wahren Gedanken kenne ich nicht, aber vermutlich dachte er zu Beginn meiner Schnellreparatur „Kauf dir lieber ein richtiges Auto“ – so zumindest interpretierte ich seinen Gesichtsausdruck. Der ursprüngliche Spontankauf dieses, für ein Taschenmesser untypisch, weil „taktisch“ aussehenden Taschenmessers, hatte sich nun aus mehreren praktischen Gründen völlig unerwartet bezahlt gemacht.

Lange Rede kurzer Sinn:
Ich brauche mein Auto, mein Messer aber auch


Andreas Hoffmann