Initiative Messer sind Werkzeuge | Thomas Walker - Messermacher

Wieso machst Du ausgerechnet Messer?

 

Wieso machst Du ausgerechnet Messer? Ich habe nie mitgezählt, wie oft mir diese Frage schon gestellt wurde. Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Zu Facettenreich ist das Thema Messermachen. Und Gründe gibt es so viele.

Mit den eigenen Händen ein Unikat erschaffen. Der Umgang mit unterschiedlichen Werkstoffen wie Holz und Stahl, die in ihren Eigenschaften so verschieden sind und doch unter den Händen eines Messermachers zu einem Objekt wie aus einem Guss verschmelzen können. Die vielen verschiedenen Arbeitsschritte, die notwendig sind, um ein handgearbeitetes Messer entstehen zu lassen, dass auf den ersten Blick so einfach aussieht. Und nicht zu vergessen, dass Gefühl und die Freude, wenn man nach vielen Stunden in der Werkstatt das fertige Messer in der Hand hält. Das vielleicht noch ein bisschen besser ist, als das davor hergestellte Messer. Es gibt sicher noch tausend andere Gründe, wieso man Messer macht.

Die nächste Frage kommt dann umgehend. Und wie machst Du Messer?

Wenn ich dann einen Besucher in meine Werkstatt führe, freue ich mich schon auf dessen Blicke. Ist doch diese Werkstatt mein ganzer Stolz und die Errungenschaft von rund 16 Jahren Messermachen. Natürlich braucht man so eine Werkstatt nicht zum Messermachen, dass kann man auch mit wesentlich weniger Maschinen betreiben. Aber das hat sich halt so im Laufe der Jahre entwickelt.

Besonders freut es mich dann, wenn ich demjenigen einen Einblick in die Welt der handgemachten Messer geben kann und ein echtes Interesse am Thema Messermachen und hochwertigen Messern zu sehen ist.
Über die unterschiedlichen Sorten von Stahl, die es gibt, die vielen Möglichkeiten, ein Messer zu entwerfen und anzufertigen. Exotische Griffmaterialien, eine kurze Einleitung zur Wärmebehandlung von Messerklingen. Die Herstellung von Lederscheiden, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wenn dann am Schluss auch noch die Erkenntnis kommt, dass die Bezeichnung „rostfrei“ auf einem Küchenmesser nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal sein muss, dann habe ich es wieder einmal geschafft, meinen Besucher mit dem Messervirus zu infizieren.
Wie mein Arbeitskollege, der noch immer von seinem Küchenmesser aus Kohlenstoffstahl, dass er unter meiner Anleitung hergestellt hat, begeistert ist.

Wenn ich die sechzehn Jahre, in denen ich mich mit dem Thema Messermachen beschäftige, Revue passieren lasse, so komme ich ganz schnell zur der Erkenntnis, dass jeder, der sich als Messermacher betätigt, egal ob als Hobby oder seine Passion zum Beruf gemacht hat, eigentlich keinen schöneren Zeitvertreib finden kann.

Die vielen Freunde die man im Laufe der Jahre gefunden hat. Unzählige Messerausstellungen, entweder als Aussteller oder Besucher, in deren Genuss man gekommen ist. Das Wissen um so viele Dinge rund ums Messermachen, dass man von Kollegen vermittelt bekommt oder das man weitergeben kann.

Es wäre schade, wenn so eine kreative Tätigkeit wie das Messermachen, durch eine unsinnige Gesetzgebung eingeschränkt oder gar zunichte gemacht wird.

Abgesehen von dem kulturellen Verlust und dem handwerklichen Wissen, dem damit eine Basis zum Fortbestand entzogen würde. Man denke zum Beispiel nur an das Damastschmieden, das durch das Messermachen in den letzen Jahren einen enormen Zuspruch gefunden hat.


Thomas Walker
Messermacher