Initiative Messer sind Werkzeuge | Mathias Maresch - Schmied

Vom Archäologen zum Messerschmied -
ein persönlicher Werdegang

 

Ich weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre.
Ich absolvierte mein drittes Semester an der Universität Freiburg. Archäologie interessierten mich zwar, aber insgesamt erfüllte mich das Studium nicht. Mir fehlte das Gefühl, etwas Wirkliches zu leisten.

Zu diesem Zeitpunkt sah ich bei einem Freund eine Zeitschrift, „Handgefertigte Messer“.
Damals wusste ich nicht einmal, dass es in Deutschland, im Jahre 2002 noch immer Menschen gibt, die Messer schmieden, so wie schon seit Jahrtausenden Messer geschmiedet werden. Da mich auch Schwerter schon seit frühester Jugend faszinierten, beschloss ich spontan, mich bei einigen, im Heft vorgestellten Messermachern für ein Praktikum zu bewerben.
In den folgenden Semesterferien, nur vier Wochen später, trat ich meine Praktikumsstelle im rheinhessischen Wallertheim bei Uli Hennicke an. Und als ich das erste Mal in seinem Werkstatt-Schaufenster dieses Samuraischwert aus gefaltetem Stahl sah, war es endgültig um mich geschehen.



Durch zusätzliche Praktika sammelte ich weitere handwerkliche Erfahrungen und begann schließlich eine Ausbildung zum Metallgestalter - wieder bei Uli Hennicke. Es war eine bewegte Zeit: Erfolgserlebnisse, Selbstzweifel, Aufmunterung und auch des Meisters „Anschiss“ - wer einen handwerklichen Beruf erlernt hat, kann vielleicht nachvollziehen wie das ist.
Schon während der Lehrzeit hatte ich die Möglichkeit, Messer herzustellen, meine Fertigkeiten zu schulen und neue Techniken zu erlernen. Und genau das ist es, was mich bis heute an der Herstellung von Schneidwerkzeugen fasziniert: Man lernt niemals aus. Es gibt immer etwas, das man noch nicht probiert hat, wovon man nichts wusste oder was man sich bisher nicht zugetraut hat.
Endlich, im Januar 2005 erreichte ich das ersehnte Ziel: Der Gesellenbrief als Metallgestalter.
Anschließend besuchte ich die Meisterschule. Zeitnah ließ mich eine glückliche Fügung eine Werkstatt in meinem Heimatort Staufen finden, ich der ich heute meine Messer selbstständig herstelle.
Heute bin ich glücklich und stolz, von diesem ehrwürdigen Handwerk leben zu können.

Eine Verschärfung des Waffengesetzes und eine daraus folgende Kriminalisierung der allermeisten Messer trifft mich dreifach: Erstens finde ich es arm, wenn man kein Messer mehr tragen darf.
Zweitens ärgere ich mich, wenn wegen einer dummen, gewalttätigen Minderheit alle Übrigen, durch nicht greifende Gesetze unter Generalverdacht gestellt werden.
Und drittens?
Die Messer, die ich herstelle, sind Werkzeuge.
Keine Waffen.


Mathias Maresch,
Messerschmied und Metallbaumeister