Initiative Messer sind Werkzeuge | Berufsbilder

Schneidwerkzeugmechaniker -
Der vielleicht älteste Handwerksberuf unserer Erde

 

Um sich bewusst zu machen, aus was der heutige Schneidwerkzeugmechaniker entstanden ist, bedarf es einer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit des Menschen.

Die ältesten bekannten Schneidwerkzeuge sind ca. 2,5 Millionen Jahre alt und wurden vermutlich vom Homo rudolfensis hergestellt und benutzt. Sie waren wahrscheinlich die ersten, die Steine nicht nur als solche zum schlagen oder knacken von harten Schalen benutzten, sondern die Steine systematisch formten.

Zu dieser Zeit „erfand“ der Mensch „die Schneide“. Die ersten Schneidwerkzeuge wurden nicht für die Jagd benutzt, der Homo rudolfensis war ein Sammler und der Fleischbedarf wurde über Aas gedeckt. Eine Millionen Jahre später hatte der Homo erectus („aufgerichteter Mensch“) die Herstellung von Steinwerkzeugen soweit „perfektioniert“, dass es ihm gelang Steine relativ präzise für unterschiedliche Anforderungen herzustellen, z.B. Steinäxte, Speerspitzen und Faustkeile.

Die Evolution nimmt ihren Lauf, das Schneidwerkzeug war immer dabei. In Mitteleuropa begann die Kupferzeit um ca. 4300 v. Chr. und dauerte bis ca. 1850 v. Chr. . Ihr folgte die Bronzezeit (ca. 1850 v. Chr. Bis ca. 1000 v. Chr.). Um ca. 1800 v. Chr. beginnt in Mitteleuropa die Metallverarbeitung. Der Beruf des Metallverarbeiters entsteht, aus dem sich in der Eisenzeit (ca. 1000 v. Chr.) um 800 v. Chr. weitere Spezialisierungen entwickelten, z.B. Waffen- , Huf- und Kleinschmied.

Während nunmehr 2,5 Millionen Jahren in denen Schneidwerkzeuge benutzt werden, hat die Schneide, zunächst aus Stein, dann Kupfer und Bronze über Eisen bis hin zum Stahl eine faszinierende Entwicklung durchlaufen.

Die immer größer werdenden Anforderungen an Schneidwerkzeugen machte eine Spezialisierung der Schmiede unumgänglich. Wann genau die Fachrichtung Messerschmied erschaffen wurde, ist heute nicht mehr ganz nachvollziehbar. Im 14 Jh. gab es mehr als 70 verschiedene Schmiedeberufe- bzw. Spezialisierungen.

Das Aufgabenbereich des Messerschmiedes wurde durch die fortschreitende Entwicklung des Handwerks und der aufkommenden Industrialisierung ständig erweitert. Schon lange beschäftigt er sich nicht ausschließlich mit dem Schmieden von Schneidwerkzeugen. Eigentlich wurde genau das immer seltener. Messerschmiede stellten nicht nur her, sie schärften auch die stumpfen Schneidwerkzeuge.

Das Zertrennen von Werkstoffen aller Art (Holz, Metalle, Fleisch oder Gemüse) ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. An Schneiden im allgemeinen werden heute hohe Ansprüche gestellt und diesen Anforderungen stellt sich der „Schneidwerkzeugmechaniker“. So heißt der Messerschmied seit dem Ende der 1980ér Jahre.

Vor ca. 60 - 80 Jahren waren die Schneidwerkzeuge die bearbeitet wurden neben Messern, Scheren und Hobeleisen, Äxte, Bandsägeblätter und manchmal ein Kreissägeblatt.

In den letzten 40 Jahren hat die Entwicklung der Schneidwerkzeuge eine rasende Geschwindigkeit angenommen. Waren Werkzeugschneiden früher aus Stahl, sind sie seit ca. 3 Jahrzenten oft aus Hartmetall und seit ca. 10 Jahren immer öfter aus Hightech – Werkstoffen wie z.B. PKD (Polykristalliner Diamant), oder Cermet (Verbundstoff aus keramischen Werkstoffen in einer metallischen Matrix).

Durch die neuen, hohen Anforderungen der letzten Jahre wurde das Berufsbild Messerschmied neu organisiert und das neue Berufsbild bekam einen neuen Namen.

Der „Schneidwerkzeugmechaniker“ war geboren.

Der sehr umfangreiche Aufgabenbereich wurde in zwei Untergruppen aufgeteilt.

  • Schneidwerkzeug- und Schleiftechnik
  • Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik

Die Ausbildungsdauer beträgt in beiden Fällen 42 Monate.

Der Schneidwerkzeugmechaniker mit dem Berufsschwerpunkt „Schneidwerkzeug- und Schleiftechnik“ stellt Werkzeuge zur spanenden Bearbeitung von Holz, Kunststoffen, Metallen und Verbundstoffen her und setzt die Schneide/n bei Bedarf wieder instand.

Die Ausbildungsinhalte beschränken sich nicht auf die Fähigkeit verschiedenste Schleifverfahren- und Techniken anzuwenden, sondern fordern auch Kenntnisse über die Programmierung von CNC (Computerized-Numerical-Control) – gesteuerten Schleifmaschinen. Viele Schneidwerkzeuge arbeiten in Computergesteuerten Maschinen oder kommen in computergestützten Fertigungsprozessen zum Einsatz. Hierbei wird eine Genauigkeit / Maßtoleranz von bis zu +/-0,001mm gefordert. Weiterhin sind Kenntnisse über die zu trennenden Werkstoffe und Materialien sowie deren Materialeigenschaften sowie Bearbeitungseigenheiten nötig.

Der Bereich „Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik“ umfasst die Wartung und Instandsetzung von Schneidemaschinen, z. B. aus dem Bereich der Textil-, Fleisch- oder Papierverarbeitung, wobei das Hauptgebiet das Wiederherstellen der Schärfe der Schneidwerkzeuge ist. Das Einstellen, Überprüfen und Montieren von mechanischen oder hydraulischen Bauteilen der Schneidemaschinen gehört ebenfalls in diesen Arbeitsbereich.

Seit geraumer Zeit gestiegene Nachfragen nach Sammler-, Jagd- oder auch Taschenmessern erweitert das Berufsbild um eine künstlerische, individuelle Komponente. Der Schneidwerkzeugmechaniker fertigt hier nach individuellen Entwürfen im Kundenauftrag oft aufwändige Messer. Es müssen Freiform–Schmiede-, Freiform-Schleif- und Freiform-Poliertechniken beherrscht werden, um die geforderten Oberflächen bzw. die endgültige Form herzustellen.

Für einen Auszubildenden Schneidwerkzeugmechaniker mit dem Schwerpunkt „Schneidwerkzeug- und Schleiftechnik“ ist ein Zeitraum von 6 Monaten für die Vermittlung von Fertigkeiten aus dem Schwerpunkt „Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik“ eingeplant.

Die meisten Auszubildenden heutzutage erlernen den Berufsschwerpunkt „Schneidwerkzeug- und Schleiftechnik“ und haben nicht viel mit Messern und Scheren im herkömmlichen Sinne zu tun. Hier geht es dann eher um z.B. Hobelmesser und Blechscheren.

Wie man sieht, ist der heutige Beruf des Schneidwerkzeugmechaniker ein Handwerksberuf mit einer beachtlichen Entstehungsgeschichte und interessanter Tradition.

Alle heutigen modernen Schneidwerkzeuge haben ihren Ursprung in den Faustkeilen der Vorzeitmenschen. Der Mensch entwickelte für neue Arbeitsbereiche neue Schneidwerkzeuge und verbesserte diese ständig.

Das Messer als Schneidwerkzeug ist schon so lange ein guter Begleiter der Menschen, dass die Faszination einiger Messer auf einige Liebhaber vielleicht ganz einfach damit zu begründen ist, das die Schneidwerkzeuge wahrscheinlich seit Anbeginn der Ära „Hominiden“ den Menschen zur Seite stand.

Schneidwerkzeuge werden seit ca. 2,5 Millionen Jahren hergestellt und benutzt, Hunde wurden erst ca. 13.000 v. Chr. domestiziert.

Autor: Sascha Schulz - Schneidwerkzeugmechaniker - Meister